3. Bericht aus Marrakech – 2013

Helga und Jürgen Münstermann

                                                                             Marrakech, Ende September 2013

3. Bericht aus Marrakech / 2013

Liebe Freunde

Heute wollen wir den schon seit Wochen geplanten Bericht auf die Reise schicken,….. wenn die Maroc Telecom es zulässt!!

Wir leben seit Wochen hier in der Medina in einer fast völlig Internet- und manchmal selbst Telefon- unterversorgten Zone.

Durch die Unzulänglichkeit der Telecom werden wir in unseren Möglichkeiten der Kommunikation gewaltig blockiert. Das Leistungsnetz ist einfach zu schwach und entspricht bei weitem nicht mehr den gewachsenen stärkeren Anforderungen.

Mehr Marokkaner suchen mehr elektronische Kontakte, auch die Touristen stellen größere Anforderungen an Leitungskapazitäten!

Die Telecom ist überfordert, Proteste werden nur mit mehr oder minder freundlichen Worten bedacht. Besonders schlimm ist die Situation in der Medina!

An Häuserwänden hängende und schwankende Leitungen beherbergen unsere Telefon- und Internetströme!!! Damit können die generellen Probleme auch zu tun haben!

Technische Maßnahmen sind nicht in Sicht, keine Planung, kein Geld!

Was macht man in der Not?

Wir schlängeln uns durch die Phasen der Verfügbarkeit von Kapazität(chen)en!, versuchen mit mobilem Funkstick (sofern ein ausreichendes Funknetz vorhanden ist),  suchen Zuflucht in einem kleinen Café in der Nähe mit stabilem Wifi !!

So, das war der Einstieg in unseren aktuellen Bericht!

Es gibt natürlich noch vieles Andere, wovon es zu berichten gilt.

Ein besonderer Punkt gehört in den Anfang. Es betrifft das gesamt Leben in Marokko und dabei besonders die Menschen, die wirtschaftlich zu kämpfen haben.

Kürzlich sind 2 wichtige Preiserhöhungen in Kraft getreten, die zu erheblichen Verteuerungen der Lebenshaltungskosten geführt haben. Milch wurde um 6% teurer, Treibstoff um mehr als 10%!!

Besonders der letzte Punkt hat enorme Auswirkungen und führt in der Bevölkerung zu lebhaften Diskussionen und hitzigen Protesten!  Dies führt automatisch zur Verteuerung aller Produkte und Dienstleistungen. Das trifft gerade Lebensmittel, die schon in den vergangenen Monaten durch den heißen Sommer kostenmäßig stark belastet worden waren.

In den letzten Monaten – vielleicht auch verursacht durch Hitze und Feriensituation – hat sich im Land auf dem politischen Parkett nicht viel bewegt.

Parlamentarisch muss demnächst einiges neu geregelt werden.

Der König meldete sich kürzlich mit deutlicher Kritik an der Erziehungspolitik. Nach seinen Worten muss die Ausbildung stärker auf den Bedarf der Arbeitswelt abgestellt werden. Er verband seine Worte mit Kritik an dem öffentlichen Schulsystem!

Der zurückliegende Sommer zeigte sein ganzes Hitzepotential (bis nahe an 50°!).

Nicht nur die Menschen sondern auch die Tiere litten unter der großen Hitze. Viele Bauern, auch viele in unserem Dorf, haben eine große Zahl von Schafen und Ziegen verloren. Die Wassersituation ist nach wie vor in den Bergen und auch besonders im Süden sehr kritisch.

Der Ramadan im Juli/August verlangte von den Menschen gerade in diesem Jahr besondere Opfer.

Im August waren wir beide für Familien- und „Kunden“ – Besuche, sowie persönliche Besorgungen in Deutschland. Nach einem etwas abenteuerlichen Rückflug – wegen Schlechtwetter mussten wir nach Casablanca ausweichen – erreichten wir Marrakech per Bus rund 8 Stunden später als geplant.

Etwa Mitte September hatten sich die Schulkinder in Marokko – und auch die Lehrer!- nach 3 Monaten Sommerferien wieder an den Beginn des neuen Schuljahrs gewöhnt!

So ist auch für uns, für „Afous Rofous“ der Schulalltag wieder eingekehrt und das mit aller Macht.

Das Aufgabenspektrum ist durch die insgesamt größere Anzahl von Kindern gewachsen und vielfältiger geworden.

Die Aufgabenbereiche stellen sich wie folgt dar:

a)                               11 Kinder Kindergarten

b)                               6     Vorschüler

c)                             5     Schulkinder         1. +2.Klasse, kleines                         Förderprogramm

d)                        9     Schulkinder         3. –6. Klasse, großes Förderprogramm

31 Kinder

Alle Kinder kommen täglich!

Vorrang haben die 9 Kinder der Gruppe d), die vor-oder nachmittags – je nach oder vor dem Schulunterricht – zu uns kommen. Hier sind in erster Linie die Fächer, wie Arabisch, Mathe, Allgemeinwissen gefragt. Durchgenommener Lehrstoff wird vor- oder nachbearbeitet. Zusätzlich führen wir die Gruppe an Kunst, an handwerkliches Basteln heran. Von ihnen werden wir auch, wenn es die Zeit erlaubt, um ein wenig Arbeit mit der Deutschen und Englischen Sprache gebeten.

Die 17 Kinder der Gruppen a) und b)  sowie die 5 Kinder der Gruppe c) werden in den übrigen verfügbaren Tagesteilen zusammengefasst und mit den an ihr Leistungsniveau angepassten  Aufgaben betreut.

Unsere 3 Räume des Kindergartens sind immer gut besetzt.

Mit dieser Zusammensetzung heißt es jetzt besonders gut planen und Lern-und Beschäftigungsprogramme organisieren! Hier ist natürlich auch unser guter Freund und Mitstreiter Brahim stark gefordert!

Im täglichen Ablauf, gerade bei den Kleinen, spielt viel Unruhe mit, auch verursacht durch gewünschte und ungewünschte Besuche von Elternteilen!

 Viel Disziplin – auch manchmal Selbstdisziplin auf unserer Seite! – ist vonnöten!

Nach wie vor heißt unsere generelle Grundsatzregel: Fördern und Fordern!!

Damit wird bei den Kleinen begonnen und zeigt bei den meisten gute Erfolge. Es gibt nur vereinzelt Ausfälle, die uns dann nach Erhalt einer „gelben“ oder „roten“ Karte (zeitweise oder gänzlich) bedauerlicherweise verlassen müssen.

Das sind im wesentlichen Ausnahmen. Der Lerneifer bei den Kleinen ist zum Teil beträchtlich und zeigt ihre Begeisterung, wenn z.B. einer unserer 3 ½ Jährigen (Monzif) eines Tages schon aus eigenem Antrieb darum bittet, sein 3 Monate altes Schwesterchen in den Kindergarten aufzunehmen. Er bringt auch schon gleich das Familienbuch mit!!

Unser Verhältnis zu der Dorfschule ist weiterhin blendend, sie wissen, was sie an den Vorkenntnissen, Ergänzungswissen und gutem Benehmen „unserer„ Kinder haben.

Dazu gehört auch, dass wir der Schule, wie in den letzten Monaten geschehen, kräftig, mit eigenem Einsatz oder mit kleineren Investitionen helfen. So wollen wir das Bild der Schule, der Räume etwas ansehnlicher und operationeller gestalten. Da war – auch z.T. mit Hilfe der Schulkinder – der Schulgarten aufzuräumen, die Klassenräume auszubessern und mit Postern neu zu gestalten, ein paar notwendige kleine Möbel zu beschaffen.

Noch ein kurzer Rückblick auf die Zeugnisse unserer Schulgänger im vergangenen Schuljahr: Alle miteinander lagen mehr oder etwas weniger über dem Durchschnitt!

Das wissen auch die Eltern der Kinder zu schätzen! Auch diejenigen, die inzwischen bedauern, ihre Kinder nicht zu uns geschickt zu haben oder es nicht durchsetzten, weil den Sprösslingen angeblich die Arbeit zu „schwer“ war!

Bei der Aufzählung der von uns betreuten Kinder/Jugendlichen dürfen die Mädchen nicht fehlen, deren Besuch des Gymnasiums in Tahannaout wir ermöglichen.

Das sind ab diesem Schuljahr 6 junge Damen, für die wir dank der Spenden erreichen konnten, dass sie in dem Internat leben können, das dem Gymnasium angeschlossen ist!!

(Anmerkung: Für ein Mädchen (Meriam) würden wir uns über einen Spender freuen. Die anfallenden Kosten von € 250 pro Jahr haben wir zunächst als „Afous Rofous“ übernommen.

             Auch in einem anderen Fall (Lubna Hamraoui) tragen wir aufgrund der Situation rund                  € 200, da die Familie nicht mehr als € 50 zahlen kann. Auch in diesem  Fal  würden   wir einen Spender begrüßen.)

Für die 6 Gymnasiastinnen hatten wir zu Schuljahresbeginn wieder einige Anmeldungsprozeduren zu erledigen incl. Gespräche mit dem neuen Schulleiter etc. etc.

Alle Mädchen, die im vergangenen Jahr mit guten Schulleistungen aufwarten konnten, stehen natürlich unter unserer freundlichen aber festen Kontrolle!

Was tut sich im Moment bei uns im Kindergarten?

Wir sind mit kleineren und größeren Reparaturarbeiten am Gebäude und im Gelände beschäftigt.

Der heiße Sommer – aber auch insgesamt die letzten Jahre – haben doch kräftig an den Mauern genagt! Zusätzlich setzte das Unwetter vor ein paar Wochen dem Dach des Gebäudes stark zu. Vor dem Winter und dem kommenden Regen (von der Landwirtschaft natürlich sehnlichst erwartet!) müssen die Arbeiten gut abgeschlossen sein!

Wir gehen zuversichtlich und guter Dinge mit Optimismus und guten Ideen in die Zukunft!

Übrigens: Am 3. August jährte sich die Eröffnung des Kindergartens zum fünften Mal!!

Zusammen mit unseren Kindern sind wir stolz auf das Geschaffene!!

Das war es für heute! Wir grüßen Sie herzlich bis zum nächsten Mal!

Ihre Helga und Jürgen Münstermann

 

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