4. Bericht aus Marrakech – 2013

Marrakech, Mitte Dezember 2013

4. Bericht aus Marrakech / 2013

Liebe Freunde!

Wir schauen in diesen Wochen jeden Tag nach draußen, mit einem lachenden und einem weinenden Auge!!

Lachend, weil meist eine herrliche Sonne, zwar bei für uns niedrigen Temperaturen (10-15°!), uns als ganzes und auch das Herz und die Seele erwärmt; weinend, weil damit jeder Regen vom Himmel verbannt ist, noch irgendwelche Anzeichen hierfür in den kommenden Wochen zu bemerken sind!

Die Menschen um uns herum, und besonders  diejenigen in unserem Dorf, sehnen sich nach ausreichendem Nass.

Jetzt Mitte Dezember  sind  die Felder vorbereitet und müssten schon seit 4 Wochen das Saatkorn aufgenommen haben! Manche haben das sogar in Erwartung der normaler- weise im Dezember fälligen Regenfälle schon getan!

Enttäuschung und Furcht machen sich breit, dass das Land, und hier besonders das südliche Marokko mit dem Atlasgebiet, in 2014 wieder vor einer katastrophalen Erntesaison steht!

Diejenigen, die schon gesät haben, sehen ihr Korn ohne Regen verderben; sie vermuten, dass sie dann zu einem späteren Zeitpunkt neues Saatgut kaufen müssen, ohne zu wissen, ob sich das alles in der Gesamtrechnung überhaupt noch lohnt! Letztlich ist eine einigermaßen zufriedenstellende Saison 2014 nicht mehr zu erwarten!

Parallel zu diesem Schreckgespenst steht die trostlose Realität allgemeiner Preissteigerungen, die in allen Lebensbereichen festzustellen sind. Gerade bei den Lebensmitteln – abgesehen von ihrer derzeit schlechten Qualität – macht sich das bemerkbar. Wir merken das auch z.B. beim Einkauf der täglichen Bananen für das Frühstück unserer Kinder!

Angeheizt wird  der allgemeine Preisanstieg durch die höheren Treibstoffkosten (im letzten Bericht schon erwähnt!), die auf die Preise aufgeschlagen werden.

So ist die Grundstimmung in der Bevölkerung etwas gedämpft!

Die Regierung – hier hat der König einige  Neubesetzungen veranlasst! – versucht nun mit neuen Programmen alte und neue Probleme zu bekämpfen. Hier steht speziell die Jugendarbeitslosigkeit im Vordergrund. Eine ausreichende Beschäftigungslage wäre, wie es in jedem Land der Erde gilt, der allgemeinen Sicherheit zuträglich!

Die Regierung möchte auch einen stärkeren Fokus auf die Erziehung und Bildung legen! Dazu müßte sicher einiges Geld in die Hand genommen werden!

Wirtschaftlich gibt es einige Erfolge im Lande, wobei der Schwerpunkt im Moment im Norden liegt. Dort konnten neue ausländische Investitionen im Automobilbereich gewonnen werden.

Das Volk mahnt schnelle und konkrete Erfolge an!

Im Sozialbereich hat sich die Regierung auf die Fahnen geschrieben, die Rechte der Frau zu stärken. Ein Zeichen dafür ist, dass im neuen Kabinett jetzt 6 Frauen statt bisher einer Dame sitzen!                                                                             

Es wird noch sehr viel zu tun geben, um auch den Ideen einer selbständigeren und durchgängigeren Verwaltungsstruktur näher zu kommen!

Nach der großen Politik wollen wir Ihnen aber etwas von der kleinen Politik innerhalb unseres Kindergartens erzählen.

Nach einem sehr heißen Nach-Sommer müssen  wir uns mit unseren rund 30 Kindern jetzt an die kälter werdende Zeit gewöhnen, wo sich die Kinder morgens im Kindergarten die Hände am Heizlüfter wärmen müssen.

Täglich kommen die verschiedenen Alters- und Beschäftigungsgruppen mit kleinen und größeren Menschen in den Kindergarten geströmt, zum Teil zu unterschiedlichen Zeiten, entscheidend bestimmt von dem Stundenplan der Dorfschule für die jeweiligen Schulkinder, mit Auswirkungen für die anderen Gruppen.

Wie schon im letzten Bericht erläutert, erfordert es differenzierte Arbeitsprogramme. Besonders bei den Kleineren gestaltet sich die Arbeit z.T. sehr arbeitsintensiv. An sich müssten einige eine Ganztagsbetreuung haben, um die Manki aus der Familie auszugleichen.

Bei ihnen fehlt es an durchgehendem Interesse, Willen und der Ausdauer. Den Eigenwillen wach zu kitzeln ist bei manchen ein mühsames Unterfangen, das von Kinderseite verschiedentlich nur durch den Wunsch nach der mittäglichen Banane aufrechterhalten wird.

Hin und wieder sind ein paar Kandidatinnen und Kandidaten darunter, die vorab zu Lasten der Banane das Abhaken vorziehen!! Es sind besonders die, bei denen nach ach so mühsamen Schreibübungen Kopf und Handgelenk schmerzen!  Gerade bei diesen Kindern schlägt auch das Desinteresse ihre Eltern negativ zu Buche!

Tja, so versuchen wir doch die Kleinen allmählich aufzubauen, mit Denk-, Form- und Sprachspielen. Legobauen gehört dann zur Entspannung! (manchmal auch für uns!)

Wir werden wieder verstärkt die Montessori Idee einsetzen, den Kindern nämlich das vielfältige Angebot im Kindergarten anbieten und dann  hoffen, dass sie sich ihren eigenen Aktivitätsdrang wecken lassen. Kinder in diesem Alter sind eigentlich fürchterlich neugierig, interessiert, ja begierig neue Dinge zu hinterfragen! Durch ein mögliches Nichtstun dürfen sie die anderen  natürlich nicht stören!!

Unsere älteren Kinder, die Schulkinder, sind dagegen sehr stabil und wissen den Vorteil der Arbeit bei und mit uns, der quasi „Ergänzungs-Schule“ ,zu schätzen, mit überdurchschnittlichen Testergebnissen!

Aber auch diesen Kindern müssen wir hin und wieder mal ins Gewissen reden und sie daran erinnern, dass sie nur mit eigener Lernbereitschaft ihre großen Zielen erreichen können, nämlich auf’s Gymnasium zu gehen. Natürlich haben die Kinder manchmal Probleme mit der Methodik der hiesigen Lehrer,  fehlender oder nichtverstandener Erklärungen. Da müssen wir dann einspringen!

Der Tag ist gut ausgefüllt mit dem Betreuungsprogramm in den verschiedenen Lern- und Wissensphasen. Um die Mittagszeit müssen die Kleinen, die Vorschulkinder und die, die bereits zur Schule gehen(1.+ 2. Klasse), oder die Großen (3. bis 6.Klasse) in unterschiedlichen Etappen verköstigt werden.

Mit der kalten Jahreszeit kommt jetzt wieder noch eine warme Tomaten-/Nudelsuppe hinzu, zumal die öffentliche Schulspeisung weggefallen ist. Einige von den Großen haben auch Spass daran, mitzuhelfen, die „Kindergartenspeisung“ zu organisieren.

Wenn zeitlich möglich, wollen die Großen nach den Schularbeiten noch Freiarbeit genießen. Gegen 17 Uhr müssen wir sie dann alle „hinauskehren“, damit wir nach 1 Std Rückfahrt noch ein wenig unser Leben für den Tag in Marrakech gestalten können!

Demnächst können wir uns auf eine neue Freizeitbeschäftigung im Kindergarten einstellen: Brot- und Pizzabacken!! Derzeit wird ein schöner Backofen in traditioneller Weise auf dem Gelände gebaut. Die Kinder warten schon sehnsüchtig auf die ersten Backerfolge!

In diesen Tagen haben wir begonnen, noch den Rest der im Jahr angefahrenen Kleiderspenden der Geschwister-Scholl-Gesamtschule, Brakel zu verteilen. Alles wurde und wird von uns sorgsam vorsortiert, um  Kleider und Schuhe gezielt auf die verschiedenen Plätze (Schulen/Kindergärten) zu verteilen und dorthin zu bringen.

Was ist das jedes Mal für eine Freude, die schönen und sehr gutgebrauchten Dinge überbringen zu können! An dieser Stelle sei den Eltern und Kindern der Schule nochmals herzlich gedankt für die Spenden. Damit können wir viel  und so nützliche Freude bringen! Vor Weihnachten ist eine neue Sammlung in der Schule geplant!

Unsere gesamt Arbeit in „Afous Rofous“ ist und bleibt ein full time Job, der uns als ein kleines Unternehmen in seinem erzieherischen und administrativen Teil schon einiges abverlangt, aber immer wieder doch so vieles zurückgibt!!

Für heute möchten wir unseren Bericht schließen, zunächst aber mit unserem herzlichen Dank an alle Freundinnen und Freunde an allen Plätzen in Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz und England. Wir sind glücklich über die viele Unterstützung, in welcher Form auch immer, die wir wieder erfahren durften! Dabei möchten wir an dieser Stelle ein besonderes Dankeschön sagen, an die Schülerinnen und Schüler der Geschwister-Scholl-Gesamtschule, Dortmund/Brakel, die Anfang des Jahres mit ihrer Aktion „Tagwerk-Ein Tag für Afrika“ eine besondere Unterstützung für uns „erarbeitet“ hatten.

Wir schauen dankbar auf ein erfolgreiches Jahr zurück, dankbar auch dafür , dass uns die Gesundheit geschenkt wurde, die wir für unsere Arbeit benötigen!

Allen wünschen wir ein schönes und besinnliches Weihnachtsfest, alle guten Wünsche für Gesundheit und Zufriedenheit begleiten Sie und Ihre Familien im kommenden Jahr!!

Alles Liebe, alles Gute!

Mit herzlichen Grüßen

Ihre Helga und Jürgen Münstermann

„HelftdemAtlas e.V.“
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