4. Bericht aus Marrakech / Ende September 2020

aus Dortmund mit digitaler Verbindung nach Marrakech

Liebe Freunde

Was gab es Neues seit dem letzten Bericht Anfang Juni??

In den letzten Monaten hat sich natürlich in allen Bereichen der Einfluss der Corona -Krise entscheidend negativ bemerkbar gemacht!!

Unverändert müssen wir – aufgrund der Reisebeschränkungen – von unserem Standort Dortmund berichten, sind aber ständig per Whatsapp mit Marokko verbunden!

Vieles ist dort gleichgeblieben und hat sich nicht verändert, höchstens an Dramatik gewonnen! Die Pandemi stellt nach wie vor die große Belastung und Gefahr dar, die uns noch lange Monate begleiten und in Atem halten wird!!

Materielle und gefühlsmäßige Eingriffe in unser aller Leben sind zu verkraften.

Wir müssen persönlich versuchen, den Jugendlichen in Kharoua, für die wir uns verantwortlich fühlen, Halt und Antworten zu geben.

Sie sind diejenigen, die dabei sind ihr Leben aufzubauen! Wir haben dort eine Mannschaft, zusammen mit Brahim, denen wir vertrauen können und die sich auf uns und unsere Freunde verlassen. Täglich haben wir z.T. lange Whatsapp Gespräche, in denen wir uns miteinander austauschen, Problem und Fragen klären, Planungen erörtern! Wir hören, wie sich die Jugendlichen mit Disziplin und Einsatz um ihre Schularbeiten kümmern.

So können wir auch so aktuell wie möglich verfolgen, wie sich die Corona-Situation in Marokko entwickelt. Das Leben in den Großstädten wie Marrakech ist seit vielen Wochen paralysiert. Die Städte gleichen Geisterstädten. Das offizielle Leben ist auf ein Minimum geschrumpft. Geschäfte und Lokale sind im Wesentlichen geschlossen. Und das in einem Land, das vom Tourismus lebt!!

Die Bevölkerung kann sich weiterhin nur vorsichtig unter den strikten Auflagen der Behörden bewegen.

Es ist für alle eine äußerst schwierige aber letztlich doch für die Lebenserfahrung der Jugendlichen eine ungemein wichtige Zeit!

Deswegen wollen wir alles tun um gesund zu bleiben, um auch den weiteren, gemeinsam mit „unseren“ Kindern bestimmen zu können!

Die steigenden Corona-Zahlen halten so das Land in Atem! Die Stimmung in der Bevölkerung ist angespannt, das gleiche gilt auch für die Versorgungslage! Unser Dorf Kharoua ist unverändert noch Corona frei.

Durch die unschätzbar hilfreiche, digitale Verbindung können wir mit Brahim und den Jugendlichen ständigen Kontakt halten. In diesem unsicheren Umfeld wollen wir „unsere“ Kinder begleiten, die versuchen müssen, ihren „Lern-Weg“ zu finden!! Da gibt es nämlich noch viel Unsicherheit, gerade in der Schulsituation!

Die Schulen – gleich ob Dorfschule oder Gymnasium – müssen sich häufig kurzfristig an behördliche Änderungen anpassen!! Ständig werden die Dorfschüler und Gymnasiasten von z.T. kurzfristigen Ansagen über Terminänderungen überrascht!

Für Schüler der Dorfschule findet der Unterricht abwechselnd vor- oder nachmittags statt.

Für die Gymnasiasten gilt die Planung in Form geteilter Klassen! Ein Beispiel:  aufgrund des großen Schüleraufkommens in diesem Jahr werden die Schüler mehrerer 7. Klassen jeweils in 3 Gruppen aufgeteilt und haben im wöchentlichen Wechsel Unterricht. Das bedeutet: jede Gruppe hat nur 1 Woche Unterricht und 2 Wochen frei!

Regelmäßige Busverbindungen existieren derzeit nicht, sodass für die Gymnasiasten Taxitransport notwendig wird!

In dieser allgemein misslichen Situation wird schon viel Disziplin und Engagement der Einzelnen gefordert!! Auch für Brahim sind das schwere Zeiten!!

Für unsere 5 kommenden Abiturienten (im Frühjahr 2021) stellen das enorme Belastungen dar, da die Unsicherheit und die Verzögerungen zu Lasten ihres konzentrierten Lernens gehen!!

Die Betreuung der jüngeren Kinder von “Afous Rofous“ läuft derzeit notgedrungen etwas auf Sparflamme. Wie schon früher, kümmern sich die Älteren um sie, soweit es ihre Zeit erlaubt!

Brahim fährt mit besonderer Fahrerlaubnis 2 bis 3 mal die Woche nach Kharoua, um anstehende Fragen zu besprechen!! Das ist für alle immer eine große Freude, womit auch der menschliche Zusammenhalt gesichert ist! Ansonsten gibt es – wenn die Leitungen funktionieren – regelmäßige Telefonkontakte.

Für die Bevölkerung wird es ein sehr schweres Jahr! Seit Monaten hat es nicht mehr geregnet!  Die Wasserknappheit führt zu starken Engpässen in der Versorgung! Die Felder konnten nicht bestellt werden! Schon in 2019 lag die Ernte in Marokko um 50% niedriger als in den Vorjahren.

Parallel ergeben sich erhebliche Steigerungen der Lebenshaltungskosten. Die generell im Land wachsende Immigration aus Schwarzafrika und Syrien belastet auch die Provinz. Die Dörfer des Atlas mit noch größerer Wasserknappheit verlangen verstärkt von Kharoua Unterstützung mit Wasser.

Im September haben wir unsere diesjährige Mitgliederversammlung von „HelftdemAtlas“ durchgeführt. Ein wichtiger Punkt hierbei beinhaltete die Vorlage des Jahresabschlusses 2019 und die Vorschau auf das laufende Jahr 2020

Nach ausführlicher Erklärung der einzelnen Positionen erfolgte die Entlastung und Anerkennung für die geleistete Arbeit. Im Hinblick auf die Coronakrise und ihre Auswirkungen auf die wirtschaftliche Lage auch bei den Sponsoren sind wir ihnen für die in 2020 geleistete Unterstützung sehr dankbar!!

Die wirtschaftliche Lage des Vereins ist stabil!

Ein weiterer Punkt der Tagesordnung war die statutengemäße Neuwahl des Vorstands für weitere  5 Jahre. Der bisherige Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt!

Ein reger Meinungsaustausch ergab sich bei der Frage, welche Möglichkeiten sich für die Abiturienten bei der Berufswahl bieten. Die Möglichkeiten, dass sich die Wunschvorstellungen der Jugendlichen, für eine Ausbildung in Europa verwirklichen lassen, wurden stark in Zweifel gezogen. Die augenblickliche politische Lage, verstärkt durch die Corona – Situation, lässt diese Möglichkeiten derzeit nicht zu. Es wird dringend empfohlen, sich zunächst auf Berufe im Marokko zu konzentrieren, die später erweiterte Berufsmöglichkeiten, u.U. im Ausland, eröffnen.

Vieles können wir selbst beeinflussen, bei Vielem sind wir auf die tatkräftige Unterstützung anderer angewiesen! So hoffen wir auf die weiterhin wohlwollende Unterstützung all unserer Freunde!

Wir möchten heute mit einem Ausblick schließen, den wir unseren Kindern vermittelt haben.

  • fühlt euch wachgerüttelt!
  • geht neue Wege, seid bereit, überall zu arbeiten!
  • Flexibilität ist gefordert!
  • behaltet die Zukunft im Auge, aber bewältigt gleichzeitig die Krise!
  • hinterfragt eure Traditionen!
  • probiert Ideen aus! Fehler dürfen dabei gemacht werden!
  • vergeudet die Krise nicht!

Seid alle herzlich gegrüßt, mit allen guten Wünschen für die Gesundheit!

Ihre Helga und Jürgen Münstermann                 

„Helft dem Atlas e.V.“
Sparkasse Dortmund
DE93 4405 0199 0911 001500
BIC DORTDE 33XXX

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