1. Bericht aus Marrakech / 2014

Helga und Jürgen Münstermann

Marrakech, Mitte Februar 2014

1. Bericht aus Marrakech / 2014

Liebe Freunde!

Wir hoffen, Sie alle haben das neue Jahr gut begonnen!!

Alle sprechen über das Wetter! So auch hier in Marokko!

Die westlichen und nördlichen Teile hatten am Ende des Jahres 2013 und zu Beginn 2014 guten Regen, der Atlas dagegen kaum, nur viel Kälte!

Nur wenig eingebrachte Saat ist in den letzten Wochen aufgegangen, verspricht nur ein wenig Futter für die Tiere, aber sicher keine Hoffnung auf eine gute Getreideernte.

Inzwischen scheint die Sonne sehr stark vom Himmel (schön für die Touristen!)und verbrennt die aufkeimenden Pflänzchen!

Unsere Kinder leiden auch unter der Kälte, sie sind wenigstens nachts in den vor 2 Jahren gespendeten Schlafsäcken gut aufgehoben. Tagsüber beißt die Kälte in den Schulräumen, von uns angebotene Gasöfen werden aus dem Gefühl der Sicherheit nicht benutzt. Im Kindergarten lässt sich mit kleinen Heizöfen das Schlimmste abwehren.

Unsere würzige, dicke Tomaten-Nudelsuppe beglückt mittags die Herzen und die Mägen.

Ein paar geistige Aussetzer unserer kleineren Kinder im Verlauf des Unterrichts sind sicher auch auf das kalte Klima zurückzuführen. Wir können nur versuchen mit dem notwendigen Ansporn und Engelsgeduld die Leistungen zu „maximieren“!

Viel Schnupfen und Husten machen jetzt die Runde. Bei Begrüßung und Verabschiedung und dem üblichen Wangenkuss halten wir doch geziemenden Abstand. Das hat uns bisher von großen Vierenüberflügen verschont!

Wir hatten schon im letzten Bericht angedeutet, wie sehr eine vorhandene (oder nicht vorhandene) positive Haltung der Eltern zum Thema Lernen auf das Verhalten der Kinder durchschlägt. Häufig ist aber in diesem Bereich Fehlanzeige! Wir beobachten das Thema sehr sorgsam und individuell!

Unsere Zeit im Kindergarten, ergänzt durch Zeiten an Wochenenden, war auch gut angefüllt, mit dem Vorsortieren der noch zu verteilenden Winterkleidung. Verteilung auf die beschenkten Kindergärten und Schulen gestaltete sich jeweils zu einem kleinen Freudenfest!

Ein Freudenfest haben wir im Kindergarten noch nicht feiern können, die Inbetriebnahme unseres nach längeren Bauarbeiten erstellten Brotbackofens! Sobald die Witterungsbedingungen stimmen, wollen wir das große Fest starten. Olivenholz, Mehl und die Rezepte liegen schon bereit!

Das neue Jahr wird uns sicher eine Menge Renovierungsarbeiten bescheren.

Die heftige Hitze im vergangene Sommer (bis zu 45°)hatte das Dach des Gebäudes sehr stark beansprucht. Dann bedachte uns der Himmel in den letzten Wochen mit einigen wenigen heftigen Regenschauern, die sich durch den porösen Belag hindurch kämpften. Das führte dazu, dass wir morgens auf dem Boden der Räume deutliche Pfützen antrafen und sicherheitshalber für Wiederholungen alle möglichen Töpfe und Schalen aufstellen mussten !!

In unserem Dorf gibt es etwas Neues zu vermelden. Die Dorfgemeinschaft hat einen neuen Imam gesucht und im Atlas gefunden. Er soll sich stärker um die Jugendlichen kümmern, die sich teilweise in ihrer Freizeit etwas ziel- und orientierungslos im Dorf bewegen. Eine gute Idee! Mal sehen, was daraus wird. Er hat eine 4 wöchige Probezeit.

Im Frühjahr wollen wir mit einigen der großen Kinder einen Tagesausflug nach Casablanca machen. Dort ist die vor 2 Jahren eröffnete Montessori-Schule mit Kindergarten unser Ziel. Sie scheint eine moderne und finanziell gut ausgestatte private Schule zu sein. Es wir sicherlich ein interessanter Ausflug werden.

Unser Leben verläuft im Wesentlichen auch in dem von unserem Umfeld vorgegebenen Rahmen! Das sind so viele Aspekte, die wir kennen, dulden und auch schätzen! Dazu gehört natürlich u.a. das uns umgebene Klima, das sich derzeit für uns als „integrierte“ Marokkaner mit 13/15° als ziemlich kalt anfühlt.

Ein „besonderer“ Teil dieses Rahmens ist zweifellos die never ending bad story der Leistung der Maroc Telecom!. Sie macht in fast immer kürzer werdenden Abständen die Verbindung zum Internet zu einer „Unterbindung“! Der Versand dieses Berichts wurde nur dadurch möglich, dass wir unseren alten Freund Azziz (IT technisch geschult)kurzfristig mit entsprechenden guten Worten und Begleitmitteln aus seinem Job holen konnten.

Noch etwas aus der Landespolitik. Marokko plant rund 40.000 illegal in Marokko lebende Immigranten aus Schwarzafrika zu integrieren und ihnen Bleiberecht zu geben. So will man sie besser kontrollieren.

Parallel dazu sind Aktionen gegen auffällig gewordenen Salafisten des eigenen Landes vorgesehen, da sie vermutlich mit Einsätzen in Syrien in Verbindung gebracht werden.

Sonst gibt es aus dem Bereich nichts Besonderes zu berichten. Man ist über die Preiserhöhungen, insbesondere über die Verteuerung des Gasölpreises durch Wegfall der Subventionen, unzufrieden. Wenigstens können die Marokkaner sich (noch!) über den subventionierten Zucker freuen und ihren Tee genießen!

Mit dieser positiven Beurteilung aus des Volkes’ Sicht schließen wir für heute und grüßen Sie alle herzlich!

Ihre Helga und Jürgen Münstermann

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