Liebe Freunde!
Das ist heute ein Bericht, der von dem üblichen Thema mit der Überschrift „Bericht aus Marrakech“ abweicht! Er ist zwar geschrieben in Marrakech, erzählt aber von einem Großteil der letzten Monate außerhalb von Marrakech.
Mitte Februar begannen unsere 8 Wochen Aufenthalt in Deutschland bei meist kaltem und unfreundlichem Wetter, und so kamen wir am 9.4. wieder glücklich zurück in unsere zweite Heimat.
Es war eine harte aber erfolgreiche Zeit! Ich persönlich darf glücklich sein – und bin es auch! – dass meine Augenoperation (Cataract) prima verlaufen ist, dank Thorsten Böker, Chef der Augenklinik in Dortmund! Die Augenwerte sind vergleichbar zu früher stark verbessert! Bevor die neue Brille angefertigt werden konnte, musste ich viel Geduld aufbringen.
Die Zeit der 8 Wochen war ansonsten angefüllt mit vielen Besuchen bei Familie und Freunden in Deutschland und den Niederlanden. Ärztliche Checkups standen an und verliefen positiv.
Im übrigen haben wir uns um den anstehenden Spendentransport der rund 140 Kartons gekümmert, die bei der Geschwister-Scholl-Gesamtschule in Dortmund – Brakel auf unseren Spediteur Hicham warteten und inzwischen auf dem Weg nach Marokko sind.
Weitere 10 Kartons mit „allem Möglichen“ haben wir noch dazugestellt, so eine große Tafel für die Schule in Kharoua, weiteres Lehr- und Lernmaterial für den Kindergarten, 3 Fahrräder, 85 Hockeyschläger etc et etc. (vielleicht können wir unser Dorf zum nationalen Ausgangspunkt für diesen schönen Mannschaftssport machen!)
Überwältigt waren wir von der Summe der Spendengelder, die durch die Arbeitsaktion „Tagwerk“ der Schülerinnen und Schüler der Geschwister-Scholl-Gesamtschule zusammenkam! Auch allen übrigen Spendern sagen wir auch an dieser Stelle nochmals herzlichen Dank für ihr Engagement!!
Der Kindergartenbetrieb in Kharoua lief in den Wochen weiter, wenn auch für die Kleinen reduziert. Brahim hat in der Zeit regelmäßig die „Großen“ betreut, ihre Aufgaben kontrolliert und bei notwendigen Vor-und Nacharbeiten geholfen. Notwendige Arbeiten im Kindergarten gingen weiter u.a. Sanierung des alten „Pumpenhauses“ (Aufbewahrungsort für alle Kleiderspenden).
In den Tagen nach unserer Rückkehr haben wir uns der liebevollen und begeisterten Begrüßung unserer Kinder gestellt. Sicherheitshalber haben Helga und ich bei den so umwerfend herzlichen Umarmungen unsere Brillen abgelegt!!
Es gab ja so viel zu erzählen, von beiden Seiten!
Auch die Bewohner im Dorf waren glücklich uns gesund und munter wiederzusehen! Besonderes hatte sich im Dorf nicht ereignet.
Wir treffen auf ein Umfeld, wo fast auf allen Äckern die Ernte schon abgeschlossen ist.
Es hatte zwar in den letzten Wochen verschiedentlich geregnet, der Regen kam aber zu spät, sodass die Ernte leider sehr mäßig ausfallen wird. Der Ertrag wird kaum die Kosten decken.
Nach diesem kurzen aber herzlichen Auftanken bei „unseren“ Kindernn, sind wir am 13.4. für eine Woche zu unserem Sohn Ulrich und seiner Frau Karen nach Tunis geflogen. Die Zeit bot sich an aufgrund der Frühjahrsferien in Kharoua.
Wir wollten die beiden noch an ihrem jetzigen Wohnort besuchen, bevor sich möglicherweise für Karen ein anderer Standort ihres Arbeitsplatzes bei der internationalen Bank innerhalb Afrikas ergibt.
Neben Besprechung einiger persönlicher Fragen stand im Vordergrund, uns einen kleinen Überblick über die Schönheit der geschichtlichen Vergangenheit zu geben. In der Kürze der Zeit war Sightseeing par exellence angesagt, alles was die Ausgrabungen freigegeben hatten, an kunstvollen Werken der Phönizier und Römer. Kernpunkte waren Carthago, Kairouan (4.heilige Stätte des Islam), Dougga und vieles Andere, was Tunis und Tunesien zu bieten hat.
Inzwischen läuft der gesamte Betrieb des Kindergartens wieder normal. Für die Großen müssen die nächsten 8 Wochen bis zum Schuljahresende Ende Juni gut genutzt werden.
Lediglich ich habe Anfang Mai noch einmal eine „Ausszeit“ genommen, um anlässlich einer ordentlichen Mitgliederversammlung unseres Gemeinnützigen Vereins „HelftdemAtlas“ den Freunden einen offiziellen Bericht über das Geschäftsjahr 2012 zu geben. Alles fand ihre Zustimmung mit dem ausdrücklichen Dank für die geleistete Arbeit.
Damit könnte eigentlich dieser 1. Bericht, der so deutlich von der üblichen Berichterstattung über den Kindergarten und unser Leben in Marrakech abwich, zu Ende sein, wenn es nicht noch eine kleine erzählenswerte Begebenheit gegeben hätte!
Womit man im Leben als Stadtmensch konfrontiert wird!
Wisst Ihr, was eine elektrische Schafschermaschine ist und was man bei der Auswahl eines solchen Instruments beachten muss?
Die Vorgeschichte: Haj Hussein, der Dorfälteste, klagte uns kürzlich sein Leid, dass er und seine weit verzweigte Familie im Dorf Schermaschinen chinesischen Ursprungs benutzen. Man verfügt über insgesamt rund 170 Schafe, die Schur jetzt vor der beginnenden Sommerzeit auf Schur warten. Das Problem sei, das diese Chinaware in kürzester Zeit heiß liefe und ständig ausfiel.
Ob es denn nicht gute deutsche Produkte gäbe? Der Name „Bosch“ ist hier noch immer der Inbegriff von Qualität. Die Internetsuche ergab den Hinweis auf zahlreiche europäische Marken. Bei einem Spezialhändler in Oberbayern wurden wir fündig und bekamen ausführliche Beratung, die selbst ein Nichtfachmann verstand!
Ein unbekanntes Land tat sich auf! Begriffe von Obermesser, Untermesser, Möglichkeiten des Nachschärfens etc gingen über den Äther oder über die Mail.
Auch die verschiedenen lokalen Schafrassen (Sardi, Bargi, Darii) mit ihren unterschiedlichen Wollsorten kamen zur Sprache.
Schließlich fiel die Wahl auf ein Schweizer Fabrikat, dessen Hersteller weltweit Erfahrungen hat, den Schafen mit Erfolg die Wolle vom Körper zu holen. Mit Express kam die Maschine nach Dortmund, wo das teure Schätzchen, mit gebrauchter Wäsche überdeckt, seinen Weg durch den Zoll nach Marokko fand.
Dieser Tage fand die Übergabe der Spende von „Afous Rofous“ /HelftdemAtlas e.V. an Haj Hussein statt. Mit großem Dank wurde das Gerät in Empfang genommen und gleich mit Erfolg einem Testschaf an den Pelz gesetzt.
Leider taugt die Wolle nicht für ein Verspinnen. Die nur mittelmäßige Qualität sowie bei dem z.Zt. völlig zusammengebrochenen nationalen und internationalen Markt im Wollhandel lassen keinen rentablen Verkauf zu, sodass die Wolle nur für Teppichknüpfen im Hausgebrauch benutzt werden kann.
So, das war’s für heute!
Bis zum nächsten Mal grüßen herzlich
Eure Helga und Jürgen
„HelftdemAtlas e.V.“
Sparkasse Dortmund
Konto 911001500 BLZ 44050199
