3. Bericht aus Marrakech – 2012

Liebe Freunde!

Der diesjährige Ramadan nähert sich seinem Ende, voraussichtlich amSonntag, den 19.08!

Der Ramadan ist für den Muslim ein Zeitraum der Besinnung auf seinen Glauben, so sagt es der Koran. Sicher folgt auch der Großteil der Marokkaner, wie die Medien berichten, den Vorschriften für den ordnungsgemäßen Ablauf.

Dieses Jahr lastet seit Beginn des Ramadans eine enorme Hitze auf den Menschen und macht ihnen das Leben besonders schwer. Die Temperaturen liegen zwischen 40 bis 45°, in der Spitze waren 48° keine Seltenheit!

Von morgens rund 4.30 Uhr bis abends etwa 19.30 nicht essen und vor allem nicht trinken schränken natürlich die Aktivitäten – und auch das Denken – stark ein. Von Staats wegen hatte man für die Zeit des Ramadan die Uhrzeit schon um 1 Stunde vorverlegt, um die Menschen schneller an das Fastenbrechen  kommen zu lassen!! Nichts wird sehnsüchtiger als der Ruf des Muezzin und das anschließende Sirenengeheul erwartet.

Die Gedanken der Marokkaner kreisen sicher in dieser Zeit nicht nur in kontemplativen Bereichen sondern auch darüber, die generelle Problematik ihres Leben in den Griff zu bekommen. Dieser Kampf tritt in vielen Fällen jetzt stärker zu Tage als sonst! Das Leben ist für sie schwieriger geworden, und eine kurzfristige Besserung ist fürwahr nicht in Sicht!

In vielen Gegenden ist wenig oder sogar kein Wasser vorhanden, die Staudämme zeigen stark rückläufige Wasserstände. Auch das  Essen wird vielerorts knapp, die Preise haben stark angezogen! Familien aus dem Süden suchen Hilfe in bei ihren Verwandten in unseren Breitengraden. Solche Besucher finden sich auch in unserem Dorf Kharoua ein. Das Straßenbild in Marrakech zeigt jetzt viele, besonders alte, bettelnde Menschen.

Unser Leben versuchen wir dem augenblicklichen Klima anzupassen. Nachts freuen wir uns, wenn nur „kühle“ 30° erreicht werden, die wir mit normalen Ventilatoren bekämpfen. Wenn wir auch auf das Essen tagsüber weitestgehend verzichten (die Hitze macht es möglich), so vertreten wir gegenüber unseren marokkanischen Mitbewohnern unser regelmäßiges Trinken!

Unser Dorf Kharoua ist wie ausgestorben. Die Schule ist bis 10. September geschlossen (mit dem offiziellen Wiederbeginn wird man es erfahrungsgemäß nicht so genau nehmen!)

Auch am Kindergarten hängt das Schild „Außer Betrieb“! Trotzdem kamen in der 1.Hälfte des Ramadans die dringend notwendigen Renovierungsarbeiten am Gebäude zum Zuge. Wind und Wetter haben dem Bau in den letzten 4 Jahren doch kräftig zugesetzt. Fotos in der Website geben einen guten Eindruck von dem Erfolg der  Arbeiten.

Die Vor- und Nacharbeiten mit Ausräumen, Säubern der Regale, Aussortieren, Reparieren haben uns in den letzten Tagen gut in Trab gehalten. Auch weitere Bauarbeiten konnten abgeschlossen werden.

In der Zeit wurde ebenfalls der erste Teil des Sonnensegels im Garten (eine Spende des Rotary Clubs Heidelberg-Schloss) angebracht. Zuvor waren noch einige konstruktionstechnische Überlegungen und Arbeiten notwendig. Auch hiervon gibt es Fotos in der Website.

Jetzt kann die restliche Fertigung in Auftrag gegeben werden.

Ganz alleine waren wir in den Tagen da oben nicht. Ein kleiner „harter“ Kern von Kindern hat uns in dieser Zeit mit Freude begleitet. Sie hatten Spaß, sich mit Spielen, ein bisschen Lernen und fröhlichem Ferien-Nichtstun zu beschäftigen und dabei ein leckeres Eis zu schlecken.

Wir haben – wie gesagt – die auch für uns etwas schwierige Zeit bald geschafft!

Je nach Stand des Mondes wird der diesjährige Ramadan am ca 19.8. der Vergangenheit angehören. Es wird dann groß gefeiert, Aid al Fitre zieht sich über eine Woche hin, mit Feiern und gegenseitigen Besuchen. Eine große Einkaufswelle beginnt in diesen Tagen zu rollen (wer es sich bei den gestiegenen Preisen leisten kann!)

Dann wird auch wieder das in diesem Jahr erstmals erlassene Verbot des Alkoholverkaufs (!) aufgehoben! Es hat uns erstaunt, aber nicht unvorbereitet überrascht!!

So gehen wir getrost in die kommenden Wochen, in der Hoffnung, dass sich die Anspannung der Marokkaner löst (u.a. keine Prügelszenen mehr auf der Straße !) und, dass sich das allgemeine und politische Leben wieder normalisiert, sich die zahlreichen problematischen Knoten in den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereichen lösen oder zumindest lockern lassen!

Generell betrifft das die Hoffnung, dass die Menschen mit ihren in den Wochen gewonnen guten Gedanken, An- und Absichten nicht ganz von den Zwängen des Alltags eingeholt werden!!!

Seid alle herzlich gegrüßt von

Helga und Jürgen

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