Ein Terroranschlag erschütterte unser unmittelbares Umfeld in Marrakech, auf dem Djemaa el Fna, 10 Minuten von unserem Haus entfernt!
16 Personen verloren ihr Leben, viele wurden verletzt!
Wir sind wohlbehalten und damit beschäftigt, hier ein neues Lebensgefühl zu finden. Es ist nichts mehr, wie es war. Nicht nur unsere sondern auch die Unbekümmertheit der Menschen hier ist gestört!
Mit diesem Anschlag endet eine hier bisher ruhige Zeit, und wird möglicher weise ein neues, sehr entscheidendes Kapitel in der politischen Entwicklung Marokkos bedeuten!
Der König hatte mit seiner Rede Anfang März begonnen, einen Reformprozess im Land in Gang zu setzen. Das Volk in seinen wichtigsten Institutionen war aufgerufen, und in einer Kommission zusammengefasst, eine Verfassungsreform vorzubereiten. Dadurch sollten die politischen Parteien und das Parlament gestärkt werden.
Bis Juni sollten die Parteien, Gewerkschaften und Verbände dann einen Entwurf für eine neue Verfassung vorlegen, über die später in einem Referendum abgestimmt werden sollte.
Begleitet wurde die Arbeit zwar von landesweiten Demonstrationen, die weitestgehend Verständnis für die einende Position des Königs voranstellten, die aber eine schnellere Durchsetzung der politischen Rechte und eine Verbesserung der Lebenssituation forderten.
Es wird nun abzuwarten sein, ob der Anschlag das Tempo des Königs verschärfen wird, oder andere Kräfte stärkeren Einfluss nehmen. Sein Handeln und seine Souveränität sind jetzt gefordert, auch um für Aufklärung und Vertrauen in die öffentliche Sicherheit zu sorgen. Gerade der Tourismussektor als wichtiger Bestandteil der schon unter der weltweiten Krise leidenden Wirtschaft müsste vor weiteren katastrophalen Auswirkungen bewahrt werden
Wir persönlich gehen nach wie vor mit Zuversicht in die nächsten Wochen, versuchen dies auch unseren Freunden in unserer Umgebung und gerade im Dorf zu zeigen. Dabei wollen wir ihnen natürlich auch nicht verhehlen, dass unsere Freunde in Deutschland um unser Wohlergehen besorgt sind, aber dass wir doch auf ihre weitere Unterstützung rechnen können.
Wir meinen, dass wir gerade jetzt in unserer Arbeit zeigen müssen, dass finanzielle Hilfe ein Zeichen von Solidarität in dieser schwierigen Zeit darstellt.
Am gestrigen Freitag war der Anschlag auch ein Thema, das unsere Kinder im Kindergarten bewegte. Wir sind sehr ausführlich auf ihre Fragen eingegangen; das gab ihnen die Möglichkeit das Ereignis etwas zu verarbeiten. Die kleine Hasna bot uns an, dass wir jetzt erst einmal bei ihnen zu Hause im Dorf bleiben sollten.
Der Wächter an unserem Parkplatz, der 50 mtr gegenüber dem Anschlagsort liegt, ließ uns durch Brahim sagen, dass er auf unser weiteres Bleiben hoffe, weil für ihn das tägliche, immer sehr herzliche Zusammentreffen mit uns, die besondere Freude an seiner Arbeit bedeute!
Wir grüßen sehr herzlich und werden weiterhin berichten!!
Ihre Helga und Jürgen Münstermann

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