2. Bericht aus Marrakech / 2016

Liebe Freunde!

Seit Anfang Juni ist das tägliche Leben der Marokkaner und ganz Marokkos vom Ramadan bestimmt. Für 4 Wochen besteht ein neuer Lebensrhythmus, an den es sich zu gewöhnen gilt, so auch für uns! Von Sonnenaufgang bis Untergang beginnen für die Muslime die Stunden der Enthaltsamkeit, kein Essen, kein Trinken usw usw.!

Jetzt im Sommer bei Temperaturen um die 40° ist das Warten auf den Sonnenuntergang schon eine besondere Herausforderung! Die Zeitspanne erstreckt sich in Marrakech derzeit von kurz vor 4 Uhr bis kurz vor 20 Uhr, bis dann das sogenannte Frühstück beginnen kann, um später in der Nacht in das ausgiebige Abendessen zu münden.

In der Zeit nach 16 Uhr laden sich aller Ortens viel Nervosität und manchmal Gereiztheit auf. Den Straßenverkehr sollte man besser meiden.

Wie alle Jahre pflegen wir auch das Fasten, schon aus Respekt vor unserer Umgebung. Nur das Trinken halten wir sorgsam bei!

Nun wollen wir aber ein wenig berichten, wie sich so in den letzten Monaten unser Leben in Marokko, und dabei natürlich ganz besonders das Geschehen in unserem Projekt „Afous Rofous“ gestaltet hat.

Wir wollen in Kurzfassung erzählen, was wir anläßlich der Mitgliederversammlung von „Helft dem Atlas e.V.“ am 24.5. in Dortmund für das Jahr 2015 sowie über die Planung für das laufende Jahr an Nachweis vorgelegt haben. Für unsere Zahlen und unsere Arbeit konnten wir wieder volle Bestätigung und Anerkennung erhalten.

Wir haben ein hartes Jahr hinter uns gebracht, gekennzeichnet von vielen Renovierungs- und Reparaturarbeiten, aufgrund der Unwetterprobleme zum Jahreswechsel 2014/15.
Die Kosten hierfür haben natürlich unsere Haushaltskasse stark belastet!
Da gibt es nur eins: zunächst versuchen, an anderen Stellen etwas einzusparen und dann zu schauen, ob sich neue Spendenquellen anbohren lassen!

Diese Situation müssen wir einfach verkraften, um unsere erfolgreiche Arbeit in der Betreuung der Kinder und Jugendlichen weiterzuführen!!

Hier hat sich gezeigt, wie erfolgreich sich diese Arbeit z.B. bei den Größeren auswirkt. Gerade unsere 5 Neu – Gymnasiasten zeigten im ersten Jahr hervorragende Leistungen. Mit prima Zensuren segeln sie stolz dem Schuljahresende entgegen. Sie machen es in den einzelnen Fächern kaum unter 18 Punkten (von 20 möglichen)!!

Diese Gruppe ist ein Teil der erfolgreichen Gesamtarbeit von „Afous Rofous“, d.h. der Betreuung der insgesamt bis zu 40 Kinder in den verschiedenen Stufen vom Kindergarten über Dorfschule bis zum Gymnasium.

Bei unseren großen Gymnasiasten gilt es aber nicht nur die schulischen Leistungen positiv zu erwähnen! Schon in unserem letzten Bericht hatten wir hervorgehoben, dass sie, wenn es ihre Zeit erlaubt, sich anbieten, die Kleinen zu führen und auch im täglichen Haushalt mit Hand anzulegen!
(Das hat auch schon die nächstfolgende Gruppe der „kleinen Großen“ der 5./6. Klässler zur Nachahmung angestiftet!)

Das ist mittlerweile zu einer Selbstverständlichkeit geworden und macht richtig Spaß mitzuerleben, wie sich ein klar strukturiertes und harmonisches Miteinander zeigt . Dabei ist es erstaunlich festzustellen, welch schon recht ordentliche Deutschkenntnisse vorhanden sind!!

Diese Mithilfe können wir im übrigen auch häufig gut gebrauchen, besonders dann, wenn wir die gesamte Mannschaft der bis zu bis zu 40 Kinder im Kinderhaus haben, weil vielleicht ein oder sogar 2 Lehrer sich krankgemeldet haben und betroffenen Kinder dann Zuflucht bei uns suchen!
Wir fühlen uns somit nicht weit von der Darstellung eines Landschulheims entfernt!!

Die inhaltlichen schulischen Anforderungen wachsen, was auch wir besonders bei den Gymnasiasten „ zu spüren“ bekommen!
Nun kommt allmählich auch Englisch und Umgang mit Internet hinzu, wobei wir uns auch qua Technik (Laptops!) darauf einstellen müssen.

Ihr seht, liebe Freunde, es läuft alles eigentlich ganz rund! Was das finanzielle der Medaille angeht, so vertrauen wir generell auf die guten Kontakte zu bestehenden Freundeskreisen. Vielleicht sind momentan auch bei einigen Freunden andere Spendenaktionen in den Vordergrund gerückt. Es gilt, jetzt unser Motto „Afous Rofous“ (Hand in Hand!!) stärker zu re-aktivieren und/oder „neue Verbindungen zu pflanzen“!

Wir selbst haben derzeit einiges in der Planung! Vorschläge von Ihrer/Eurer Seite sind immer gerne herzlich willkommen!

Intensiv müssen wir uns derzeit besonders mit der Transportfrage zwischen Kharoua und Tahannaout beschäftigen. Die derzeitige Busverbindung für unsere Schüler ist unbefriedigend. Es besteht keine Abstimmung der Fahrtzeiten mit den Schulzeiten des Gymnasiums! Dadurch ergeben sich für unsere Schüler z.T. lange Wartezeiten, die sie auf der Straße in Tahannaout verbringen müssten. Das sind verlorenen Stunden, die zu Lasten von Lernmöglichkeiten in „Afous Rofous“ in Kharoua gehen! Wir sind deshalb gezwungen zusätzliche Taxifahrten zu bezahlen und unseren privaten KIA einzusetzen.
Die Anzahl ist mit 5 jetzt schon etwas problematisch. Unmöglich wird es, wenn ab Herbst noch 2 weitere Gymnasiasten aus unserem Hause dazukommen.
(Eine gute Bildungspolitik darf nicht am Transport scheitern!)

Alle Bemühungen, um mit den infrage kommenden Stellen eine Harmonisierung zu erreichen, waren bisher ergebnislos.

Wir prüfen derzeit Möglichkeiten der weiteren Bezuschussung der Kosten wie auch, ob es organisatorisch, rechtlich und finanziell machbar und sinnvoll wäre, dieses Problem mit einem eigenen Fahrzeug zu lösen!

Erfreulich hat sich auch unser Projekt „Ausbildungszentrum“ entwickelt, wohin wir versuchen, Schulabbrecher ab einem bestimmten Niveau für eine sinnvolle,
handwerkliche Ausbildung zu vermitteln. So konnten wir 3 junge Menschen an insgesamt 5 Basiskursen , in Holz, Elektro, Alu und Mechanik, und den darauf

folgenden Aufbaukursen teilnehmen lassen. Auch für weitere Kurse haben wir ein paar Kandidaten, wofür wir Unterstützung bereitstellen müssen.

Häufig wird die Frage nach der Sicherheit im Land gestellt. Hier können wir nur hoffen, dass deutlich gestiegene Sicherheitskontrollen Anschläge und Terrorakte verhindern. Wir persönlich fühlen uns absolut sicher, meiden natürlich größere Menschenansammlungen.
So würden wir auch in Europa handeln!! Ende September erlebt Marokko Parlamentswahlen, von deren Ergebnis sicher nicht viel Änderung ausgehen wird.

Die wirtschaftliche Situation im Land ist für die Menschen, so erfahren wir es in besonderem Maße in unserem Dorf, deutlich schwieriger geworden.
Mit dem Schicksal hadern wieder einmal gerade unsere Dorfbewohner! Der Wettergott ließ es leider nicht zu, dass wenigstens ein „gemittelter“ Regen zu einer einigermaßen vernünftigen Erntegeführt hat. Wo jetzt jahreszeitgemäß das Getreide die Felder zieren sollte, dehnen sich bei den Temperaturen von rund 40° schwarzbraune trockene Flächen aus!

Das war ein kurzer Überblick über die hinter uns liegenden Monate und das, was vor uns liegt. Es ist, wie immer sicher ein ehrgeiziges Programm und lässt viel Arbeit erwarten, aber auch, so hoffen wir, wieder viel Erfolg!
Unsere „Großen“ werden uns dabei sicher unterstützen! Sie brennen darauf, weiter zu lernen und damit Erfolg zu haben! Sie haben nämlich geschnuppert, wie schön es ist, erfolgreich zu sein!! Unsere 5 Neugymnasiasten machen im ersten gymnasialen Jahr die Erfahrung, von 300 übrigen Erstgymnasiasten in Tahannaout die 5 Besten zu sein!
Dass das so bleibt, dafür wollen wir stets versuchen, die Voraussetzungen zu bieten!

Wir haben inzwischen 2 weitere Kandidatinnen, von denen wir in diesem Sommer ebenfalls ihren Sprung auf das Gymnasium erwarten dürfen!

Seid heute alle herzlich gegrüßt, mit allen guten Wünschen für eine schöne Sommerzeit und ggf. für erholsame Ferien!

Eure Helga und Jürgen

PS
Wir haben noch einen kleinen Video Clip anzubieten:
http://bit.ly/afousrofousvideo2016
Er zeigt ein wenig das Leben im Kinderhaus Afous Rofous der letzten Monate, u.a. das Arbeiten der Großen mit den Kleinen“

„Helft dem Atlas e.V.“
Sparkasse Dortmund
DE 93 4405 0199 0911 0015 00
BIC DORTDE33X

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Eine Reaktion auf 2. Bericht aus Marrakech / 2016

  1. Anna sagt:

    Finde es ziemlich wichtig das man auch mal sein Geld für gute Zwecke ausgibt. Anstatt nur Schnick&Schnack. Eine tolle Sache das man sich für Menschen einsetzt die es schwieriger im Leben haben. Vielen dank für die Information.

    Gruß Anna

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