4. Bericht aus Marrakech / 2015

Helga und Jürgen Münstermann

Marrakech, Anfang Dezember 2015

Liebe Freunde!

Lasst uns zunächst einfach unser Schlusswort aus dem letzten Bericht, etwas angepasst, an den Beginn unseres heutigen Berichts stellen! Denn so fühlen wir auch heute, 3 Monate später!

„Wir freuen uns,
dass wir als Afous Rofous Team hier so ruhig arbeiten können (nach all dem, was so Schreckliches in all den Ländern um uns herum geschehen ist,
dass wir so viel schulischen Erfolg finden,
dass wir so viele Freunde von unserer Arbeit überzeugen können,
dass wir alle hier gesund und munter sind!“

Diese Gedanken möchten wir voranstellen zu einem Zeitpunkt da das alte Jahr sich schon verabschiedet und „2016“ bereits auf dem Weg zu uns ist!
Die Gedanken an die schlimmen Ereignisse, die vielen Menschen so großes Leid und viel Trauer gebracht haben, die unsere Welt so unberechenbar und unsicher gemacht haben, werden leider viel zu schnell in den Hintergrund gedrängt angesichts des Geschehens in Deutschland und Europa, wo Hunderttausende auf der Flucht sind.
Dies gibt uns aktuell Anlass zum Nachdenken und zu Gesprächen mit „unseren“ Großen.

Sie erkennen dabei wie gut es ihnen geht und was sie durch eigene Leistung unter unserer kontinuierlichen Führung und Betreuung schon erreicht haben. Diese Erkenntnis lässt das gelegentliche Knurren ob unserer Strenge und Konsequenz schnell vergessen.

Jetzt sollten wir doch noch einmal kurz das Jahr streifen, das wir in Kürze abschließen wollen!

Die Wetterverhältnisse setzten uns Anfang des Jahres, wie Sie wissen, sehr zu!
Daraus ergab sich ein großer Reparaturbedarf mit Aufräumen, Planung, Gesprächen mit Handwerkern und die Arbeit selbst. Wie schon im vorigen Bericht angedeutet: unsere angesetzten Budgetzahlen wurden ziemlich auf den Kopf gestellt!
Da muss man dann eben in anderen Bereichen den Gürtel etwas enger schnallen!

Zuversicht und Hoffnung für das kommende Jahr ist angesagt, dass wir von der Unbill von Wetter und Materialmüdigkeit verschont bleiben.

So wollen wir unsere Kraft in die Ausbildung und Bildung unserer Kinder zu stecken!

So haben wir jeden Tag mit unseren bis zu 40 großen und kleinen Kindern viel Leben „ in der Bude“. Mit den unterschiedlichen Schulzeiten der verschiedenen Gruppen ist ein striktes Programm notwendig.

Wir haben die unterschiedlichsten Gruppen individuell zu betreuen. So sind es:
die Kindergarten-Kinder, die Vorschulkinder, die 1 und 2. Klässler, die 3 bis 6. Klässler und die Gymnasiasten – und das alles bei sehr unterschiedlichen Schulzeiten. Alle brauchen Aufsicht und Unterweisung bei den Schularbeiten. Auch die Mahlzeiten werden zu unterschiedlichen Zeiten eingenommen!

Dabei unterstützen uns die Kinder tatkräftig! Die Größeren und die Großen – wenn sie Zeit haben – helfen mal schnell mit aufzudecken, Bananen und Joghurt aufzutischen, zu spülen und den Raum zu kehren!

Inzwischen ist auch das „neue Leben“ unserer fünf Neu-Gymnasiasten in vollem Gange. Der Alltag hat sie voll erfasst; sie heimsen schon großes Lob bei ihren Lehrern ein. Ihre „Vormachtstellung“ in der Klasse ist unbestritten! Voller Begeisterung erzählen sie von ihrem Schulleben, mit 10 Mädchen und 32 Jungens in der Klasse.
Wir erleben, dass jetzt allmählich unsere Fünf vor größere schulische Anforderungen gestellt werden, größere Wissenslücken zu überbrücken sind, wo sie nicht allein gelassen werden dürfen!! Im Gegensatz dazu sind die anderen fünf Altkollegen sind schon autark!

Nur der Fahrplan des vor einem Jahr von uns stark unterstützten Schulbusses vom und zum College in Tahannaout läuft leider nicht so ideal wie geplant, so dass von uns z.T. noch zusätzliche Taxifahrten eingeschoben werden müssen, um auf den Stundenplan einzuspielen.

Wenn auch die Größeren im wesentlichen, was das Schulische betrifft, schon ihr eigenes Tempo eingeben können, so müssen die Kleinen und Kleineren doch häufig mal angespornt werden, dass sie überall sorgfältig und engagiert mittun müssen! Spielen und Beschäftigung z. B. mit bereits bekanntem Material liegen ja ach so nahe und sind so bequem!

Auch hier springen uns die Größeren schon mal bei und nehmen sich der Kleineren an, um z.T. richtig kleine Unterrichtsprogramme mit ihnen zu bearbeiten! Da geht es auch recht energisch zu, wenn einer oder eine nicht so richtig spurt und vom Lernen überzeugt werden muss! Die Kleinen lassen sich das aber ohne weiteres gefallen!

Nun kommt noch etwas „Leicht Vermischtes“ aus dem direkten und indirekten Leben von „Afous Rofous“ .

– Die Verbraucherpreise, besonders für Agrarprodukte, sind durch den
fehlenden Regen bereits deutlich gestiegen! Z.Zt. gibt es nur Sonne aber keinen Regen!

– Hassan, ein von den Kindern und von uns sehr geschätzter Lehrer an der Dorfschule machte dieses Jahr eine Pilgerreise nach Mekka. Als er nach 2 Monaten wieder seinen Schuldienst aufnahm, begrüßten wir alle ihn mit großer Freude. Wir überreichten ihm als Gruß einen schön verzierten hölzernen Buchständer für den Koran.

– Über das „Ausbildungszentrum“ in Tahannaout laufen
Teilprojekte für 3 Jugendliche mit Erfolg weiter. Die Vermittlung eines weiteren Jungen scheiterte leider daran, dass er nicht über die erforderliche Mindestqualifikation der 9. Klasse bei Schulabbruch verfügt. Das zeigt, dass jetzt die Anforderungen aneine gewisse Ausbildung doch steigen. (….und das ist gut so!!)

– Weitere Kleiderverteilung aus den Beständen erfolgt an die Schulkinderin den Ferien der 1. Dezember Woche.

Wir hören aus der Geschwister-Scholl-Gesamt Schule, Dortmund –Brakel, dass am Freitag den 18.12. 2015 die diesjährige Sammlung von gebrauchten Kleidern, Schuhen, und Schul- und Spielmaterial geplant ist. Wir freuen uns
schon auf die schönen Sachen und danken allen Beteiligten in Dortmund für ihren Einsatz!

– Unsere website bringt wieder unter „Fotogalerie“ einige schöne und interessante Fotos aus dem Leben unseres Kindergartens „Afous Rofous.

– Die letzten Monate bescherten uns viele Besucher aus Deutschland, die sich für die Arbeit des Kindergartens und seine Aufgaben im dörflichen Bereich interessierten.

– Der marokkanische Alltag brachte uns wie immer ein paar
Unannehmlichkeiten, die es abzufedern galt. Die Internetverbindung lief häufig nicht, unser KIA stand wegen defekter Ölwanne wieder ein paar Tage in der Werkstatt, unsere bisherige Hausbank in Marrakech machte administrative Probleme, sodass wir uns eine neue Verbindung suchen mussten.

Nun wollen wir uns nach einem Jahr mit einem sehr heißen Sommer, der uns eigentlich Beregnung für die Saat bringen sollte/müsste, aber im Moment viel Kälte und Sonnenschein bietet, verabschieden.

Wir als „Afous Rofous“ schauen aber zufrieden und auch dankbar zurück, dass wir die Kraft und die Möglichkeit hatten, den deutlich gewachsenen Anforderungen gerecht zu werden und das Projekt in gewohnter Weise weiterzuführen!

Wir fühlen uns als Mannschaft mit Brahim und Majoub gefordert und dringend eingesetzt! Es ist auch ein schönes Gefühl, dass wir so viele positive Signale aus unserem großen Freundeskreis erhalten! Das freut uns sehr und dafür möchten wir herzlichen Dank sagen!!

Wir wünschen Ihnen allen eine schöne Adventszeit und ein ebensolches Weihnachtsfest!

Alle unsere guten Wünsche für Gesundheit und Zufriedenheit begleiten Sie und Ihre Familien im kommenden Jahr!

Mit herzlichen Grüßen

Ihre Helga und Jürgen Münstermann

„Helft dem Atlas e.V.“
Sparkasse Dortmund
DE 93 4405 0199 0911 0015 00
BIC DORTDE33X

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