3. Bericht aus Marrakech / 2015

Helga und Jürgen Münstermann

Marrakech, Mitte September 2015

3. Bericht aus Marrakech / 2015

Liebe Freunde!

Auch uns hier bewegt das, was sich da in Europa, speziell in Deutschland, in der Flüchtlingsproblematik abspielt! Die Medien berichten darüber. Fernsehen und Zeitungen zeigen Bilder von dem dramatischen Strom der Menschen!
Marokko wird ebenfalls Flüchtlinge – vorwiegend aus Syrien – aufnehmen, zusätzlich zu den bereits im Land befindlichen Menschen aus Schwarzafrika!

Unsere größeren Kinder wollten mehr an Einzelheiten, Erklärungen auch über Hintergründe von uns hören. Wir versuchen, zu erklären, wo die Menschen durch fürchterliche Kriege in ihrem Heimatland (z.B. Syrien, Afghanistan, Irak) einfach die gefährlichen Fluchtwege in eine unbekannte Zukunft auf sich nehmen, um in einem ganz fremden Land ihr Leben und das ihrer Familien zu retten.
Dabei wollen wir ihnen verständlich machen, dass sie selbst glücklich sein müssen, in einem derzeit sicheren Umfeld leben zu können. Wenn auch die wirtschaftliche Lage in Marokko problematisch ist, so würde man sicher aus eben diesem Grund keinen Zugang zu einem der “gelobten“ Länder Europas finden. Um so mehr müsse es für sie eine Aufforderung sein, sich auf ihre weitere Ausbildung zu konzentrieren!!

Nur das gebe ihnen eine Chance später einmal mit guter Bildung an die Türen in Europa anzuklopfen!!

Um ihnen dabei zu helfen, seien wir und unsere Freunde schon seit Jahren mit ihren Spenden dabei, diese so wichtige Nachhaltigkeit bei ihnen weiter aufzubauen!!

Wir haben das Gefühl, dass unsere Kinder die ganze Thematik jetzt doch etwas nachdenklicher betrachten!!

Nach diesem aktuellen, wichtigen Vorspann wollen wir, wie gewohnt, etwas über unsere Arbeit vor Ort berichten und was uns uns so bewegt hat. Seit unserem letzten Bericht Ende Juni haben uns viele kleine und größere Ereignisse auf Trab gehalten und das in einer langanhaltenden Hitzeperiode. Temperaturen um die 50° ließen uns hin und wieder ein wenig langsamer agieren!

Im Großen und Ganzen hatte der Kindergarten während der 3 monatigen Sommerferien seine Pforten geschlossen. Für die Kleinen sowieso! Für die Großen gab es dieses Jahr ein Ferienprogramm mit ein paar Abstrichen gegenüber den Vorjahren.

Grund war im wesentlichen, dass es auf unserer Seite so viel Dinge gab, die unbedingt abgearbeitet werden mussten. So warteten noch die vor den Ferien eingetroffenen Kleiderspenden auf Sortierung und Einordnung. Auch der Kindergarten selbst rief nach generellem Aufräumen. Die Renovierung im Mai hatte z.T. heftige Spuren hinterlassen, die beseitigt werden mussten.

Für uns beide ergab sich damit in der gesamten „Ferienzeit“ die Gelegenheit, uns um viele Dinge im Kindergarten zu kümmern, die in den letzten Monaten liegen bleiben mussten.

Die Großen genossen aber ihre freie Arbeit und freuten sich am ausgiebigen Gebrauch von bisher nicht oder wenig benutzten Spiel-, Lern- und Bastelmaterial. Auch der inzwischen wieder erstandene Rasen wurde ausgiebig zum Toben und Spielen benutzt.

Nicht vergessen hatten wir natürlich den 7. Geburtstag unseres Kindergartens „Afous Rofous“, der am 3. 8. die Geburtsstunde unserer Aktivitäten in Erinnerung rief.
Wir wollen den Tag demnächst noch mit einem schönen Grillfest nachfeiern! Unser inzwischen wieder aufgeforsteter Rasen gibt uns dazu ein schönes Umfeld. Bis dahin werden hoffentlich auch alle (erneuten!!) Reparatur- und Renovierungsarbeiten abgeschlossen sein.

Alles in allem hatten wir ein recht „schönes Sommercamp“ (Schaut euch mal den gleichnamigen Video-Clip unter < https://youtu.be/fzdmpoW2JCs> an, gedreht von unserem Sohn Ulrich). Wir freuten uns riesig, dass er für 14 Tage mal das feuchte Klima und die Arbeit von Abidjan(Elfenbeinküste) mit der trockenen Hitze von Marrakech und ein paar fröhlichen Stunden in unserem Kindergarten „Afous Rofous“ eintauschen konnte!

Tja und dann kam leider danach die böse Überraschung, dass unser guter (220.000 km alter) KIA plötzlich seinen letzten Diesel-Schnaufer machte und wir rund 8 Tage ohne Auto sein mussten. Der Befund: Kompletter Motorschaden !!
Das passierte im Dorf und glücklicherweise nicht auf der Strecke!!. Es begannen hektische Tage mit Abschleppen, Suchen nach geeigneter Werkstatt und einem guten Ersatzmotor (es sollte schnell gehen und nicht so teuer werden!!), Prüfen, Verhandeln! Inzwischen haben wir unseren neu motorisierten, alten KIA wieder, der uns hoffentlich flott auch noch lange durch die Gegend schaukelt!

Für die Vorbereitungen d.h. vielen Besorgungen für das neue Schuljahr konnten wir voll auf ihn zurückgreifen. Was kam da wieder alles zusammen, nicht nur für unsere Kinder in der Dorfschule, sondern diesmal auch für die 5 Neu-Gymnasiasten!!
Es war eine quirlige Zeit für die Kinder und uns!

Anmeldungen waren zu besorgen, für das Gymnasium und für den Busverkehr mit ALSA.
Heftig und für uns zum Teil unverständlich waren die Formalitäten mit legalisierten Papieren, Bescheinigungen hier, Meldebestätigungen da, Passbilder etc etc

Es lebe die Bürokratie!

Viele Besorgungen konnten aber natürlich schon die Kinder selbst übernehmen! Generalstabsmäßig mussten dann zig Papiere, Papierchen geprüft werden! Ein in den Jahren ständig erweitertes Ritual, dieses Jahr um Anforderungen seitens der Neu-Gymnasiasten ergänzt.

Wir stellen allmählich fest: Wir betreiben doch schon eine kleine Firma mit erforderlichem Management! Da spielen unsere Großen kräftig mit, die wie selbstverständlich bestimmte Aufgaben im Tagesablauf übernehmen ….. und dabei viel Spaß haben!

Für unsere Fünf konnten wir noch etwas Besonderes erreichen! Der Schulleiter des Gymnasiums erfüllte unsere Bitte, diese Gruppe in die gleiche Klasse einzuteilen und damit durch den gleichen Stundenplan das gemeinsame „Nach-“ oder „Vor“- lernen bei uns zu ermöglichen!

Nun beginnt also in Kürze für alle Beteiligten ein neues Leben und ein etwas geändertes Gemeinschaftsgefühl im Kindergarten! Es ist von einem leichten Abkoppeln zwischen „Eltern“ und „Kindern“ gekennzeichnet! Und neue Kleine wachsen nach! Wir sind gespannt!

Was wir mit Freude feststellen, ist, dass die Großen sich in den letzten Wochen, quasi Montessorisch, um die Kleinen kümmern, um sie, wie von ihnen gewünscht und gewollt, etwas zu „unterrichten“!

Auch im „Ausbildungszentrum“ in Tahannaout hatten wir Erfolg! Für 2 Jugendliche konnten wir eine Aufstockung ihrer bisherigen Ausbildung auf ein höheres Niveau erreichen.
Einem Jungen, der aufgrund des Todes seines Vaters, das Gymnasium nicht mehr weiter besuchen kann, konnten wir zu einem Platz in einem zwar schon vollbelegten Kurs verhelfen!

Nun wollen wir noch abschließend einen kurzen Blick auf die große Politik des Landes werfen. Kürzlich fanden Kommunal- und Regionalwahlen statt. Die politische Zukunft für Marokko sieht vor, das Land in 12 Regionen aufzuteilen und ihnen mehr föderalistische Autonomie zu geben.

Die Partei PJD (moderat islamisch, mit klarem Bekenntnis zum König) hat in den großen Städten gewonnen, in den ländlichen Gebieten lag die konservativ liberale Partei der PMD vorne. Die Wahlen sind in aller Ruhe abgelaufen.
Für das Jahr 2016 sind Parlamentswahlen vorgesehen.

Für heute möchten wir uns mit unserer Berichterstattung verabschieden und als Schlusswort sagen:

Wir freuen uns,

+ dass wir als „Afous Rofous Team“ (mit Brahim und Majoub) hier so ruhig
arbeiten können,

+ dass wir mit dem schulischen Erfolg so viel Anerkennung in unserem
Umfeld finden,

+ dass wir unsere Freunde in Europa von unserer Arbeit für die kleinen und
großen Menschen haben bisher überzeugen können!

+ dass wir gesund und munter sind!

Auf all das hoffen wir auch in Zukunft!!

Mit herzlichen Grüßen aus Marrakech und dem Land, das in der kommenden Woche voll unter dem Zeichen des islamischen Opferfests steht!

Ihre Helga und Jürgen Münstermann

Helft dem Atlas e.V.“
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