5. Bericht aus Marrakech – 2012

Helga und Jürgen Münstermann

                                                                                        Marrakech, Mitte Dezember 2012

Liebe Freunde!

Der Kalender und die kalten Temperaturen (zu Tagesbeginn 10°) und …. im Kindergarten sowie Husten und Schniefen der Kinder mit leicht fiebrigen Augen erinnern einen daran, dass der letzte diesjährige Bericht fällig ist!

Es ist Zeit, ein wenig Revue passieren zu lassen, was das Jahr so gebracht hat, was man für Erfahrungen gemacht hat, wohin man im Neuen Jahr steuern sollte bzw. gerne möchte!

Zunächst stellen wir dankbar fest, dass wir beide und unsere Familien gesund geblieben sind. Es ist eine Grundvoraussetzung, um zufrieden sein zu dürfen und um damit alle vielleicht kleinen Probleme und Ungereimtheiten in den Hintergrund treten zu lassen.

Wir haben aber mit guten Freunden und ihren Familien gelitten, die das Schicksal hart anpackte! Unsere Gedanken sind besonders in den jetzigen Tagen bei ihnen!

Wir durften unser privates Leben hier in Marokko weiter ungestört weiterleben, durften in unserer Arbeit in Afous Rofous fortfahren und kleine wie größere Erfolge verbuchen.

In der heutigen Zeit, in dieser unruhigen Zeit ist das keine Selbstverständlichkeit!

Marokko zeigt sich politisch weiterhin ruhig. Die Probleme drücken die Menschen jedoch unverändert, besonders die hohen Nahrungsmittelpreise und lassen sie deutliche Kritik an den Politikern äußern.

Mit der finanziellen Hilfe unserer Freunde in vielen Ländern haben wir es geschafft, die anstehenden Aufgaben zu erfüllen.

Gleich, ob es

  • um den täglichen Betrieb des Kindergartens,
  • um Projekte von „Afous Rofous“, in wie z.B. die Sonnensegel, die uns gespendet    wurden,
  • um die Übernahme der Kosten für das Internat, womit 4 Mädchen der Besuch des  Gymnasiums in Tahannaout ermöglicht wird,

ging oder ob wir kleinere oder größere Hilfsmaßnahmen für die Kinder oder das Dorf durchführen konnten.

Wir wussten, dass unsere Schilderungen des schwierigen Umfelds bei unseren Freunden nicht auf taube Ohren stoßen!

Wenn auch zwischenzeitlich die Spenden sich etwas „verhalten“ auf dem Konto sammelten, so ging dann doch plötzlich wieder eine Tür auf, und wir konnten durchatmen

So gehen wir zuversichtlich in die weitere Zukunft!! Wir wissen einerseits um das Vertrauen, das die Menschen im Dorf uns entgegenbringen ….. und unser Vertrauen auf eine gute „Begleitung“ und Unterstützung, die hinter uns steht!

Gerade in Zeiten, wo im vergangenen Sommer durch die Hitze die gesamte Ernte verbrannte, weiß man im Dorf, dass man sich notfalls an uns wenden kann um Hilfe für die Kinder zu erbitten. Man kennt aber unsere Erwartungshaltung , dass es nicht ohne ihre eigene Anstrengung abgehen darf, etwas dazu beizutragen, ihr, wenn auch beschwerliches, Leben selbst zu meistern.

Dazu gehört auch, ihren Kindern zu vermitteln, dass nur Arbeiten und Lernen ihnen eine Zukunftsperspektive eröffnen! Es ist und bleibt ein schwieriger Prozess! Manche der Sprösslinge kapieren das schon recht gut und belohnen sich (und uns!) mit guten Leistungen in der Schule. Solche highlights bedeuten für uns viel Motivations- Elexier!

Unsere tägliche Arbeit mit den Kindern versuchen wir noch vielschichtiger als bisher zu gestalten, um an ihr Leistungspotential und ihre Leistungsbereitschaft heranzukommen! So zeigen wir ihnen, wie sie ihre Welt und ihre Gegenstände und Formen im wahrsten Sinne des Wortes „begreifen“ können (Beispiel!!) Auch müssen sie lernen ihren eigenen körperlichen Stand zu erkennen und Bewegungen zu koordinieren.

Die Wissenschaft weiß seit langem, dass solche Erkenntnisse und Bewußtseinsbildungen einen entscheidenden Einfluss auf die geistige Entwicklung von Kindern haben. Verbunden mit Übungen im Bereich wissensmäßigen Lernens und sprachlicher Ausdruckskraft stellen wir bei einigen unserer kleinen Kandidaten und Kandidatinnen deutlich positive Entwicklungen fest. Natürlich ist es ein mühsames Unterfangen, da aus deren eigenem Umfeld, sprich Familie, keinerlei Hilfe kommt!

Diese Arbeit erfordert eine sehr subtile Beobachtung und gezielte Lernsteuerung. Wir sind uns bewusst, dass natürlich nicht jedes unserer Kinder einen in Europa für solche Altersgruppe normalen Entwicklungsweg gehen wird. Neben Sonne gibt es hier auch viel Wolken. Wenn dann bei manchen noch unglaubliche Bequemlichkeit hinzukommt und für sie selbst das Ausschneiden von Bildern zu anstrengend wird, ist ihre Entscheidung, den Abschied zu nehmen, nicht weit.

Unsere „Großen“ (= Schulgänger in der 1. Bis 4. Klasse) schlagen sich prächtig. Verglichen mit denen ihrer Klassenkollegen, die nicht den Kindergarten besuchen wollten (oder durften!) bringen sie deutlich bessere Zensuren. Sie haben auch erkannt, dass tägliche Arbeit angesagt ist. Nachmittags heißt es bis rund 16 Uhr Zusatzarbeit in Rechnen, Französisch und Arabisch. Ihre Lernbegeisterung läßt uns dann erst wieder nach Marrakech starten.

Hier noch eine nette Begebenheit zum Thema Arbeit!

Wo der Lerneifer der Großen kaum zu bremsen ist, so sind die Kleinen mittags manchmal nach guter Arbeit etwas geschafft. Der kleine Monzif (3 Jahre und 3 Monate alt), ein fixer und lieber Junge, legt den Buntstift nach getaner Arbeit mit Schwungübungen weg mit der klaren Aussage: „Jetzt reicht’s für heute!“

Der Bericht wäre unvollständig, wenn 2 Ereignisse nicht gebührend gewürdigt würden!

Am 13.Oktober hatte unser Kindergarten „Afous Rofous“ den Besuch des Trommlerkorps „Gut Klang“ aus Dortmund – Kirchlinde mit 45 Personen!

Es war ein großes Erlebnis, die rund 27 Personen starke Spieler Truppe zu erleben. Vorausgegangen waren monatelange Bemühungen bei den Behörden eine Genehmigung für das Auftreten einer für diese Gegend und Kultur etwas ungewöhnliche Musikgruppe zu erhalten. Nach ihrem Platzkonzert in Marrakech auf dem Djemaa elFna konnte tags drauf kräftig im Garten von „Afous Rofous“ in Kharoua musiziert werden.

Vor allem die Kinder hatten ihren Spass. Sie durften sogar an/mit den Instrumenten spielen. Es war ein lustiges Fest, abgerundet mit einer Spende und kleinen Geschenken für alle Kinder.

Besonders  erwähnen möchten wir hier noch einmal die großartige Spende von Kinderkleidern und –schuhen der Geschwister-Scholl-Gesamtschule aus Dortmund-Brakel aus dem Dezember 2011. Im Frühjahr 2012 hatten wir die Sommerkleidung an den Kindergarten, die Schule und zahlreiche Plätze im Umkreis verteilt. Jetzt konnten die warmen Sachen an die Kinder und Jugendlichen ausgegeben werden. Es war eine Freude zu sehen, welch gute Qualität von den Eltern und Schülern  zusammengetragen worden war! Fotos in Flickr lassen einen Teil der Verteilungsaktion in diesen Tagen sehen.

Nochmals an dieser Stelle lieben Dank an alle Spender, die dazu beigetragen haben, um mit diesen schönen Sachen den Menschen hier geholfen und eine Freude gemacht haben!

Wie wir hören, ist in diesen Wochen wieder eine neue Sammelaktion im Gange.

Jetzt bleibt uns nur noch übrig, all unseren Freundinnen und Freunden an allen Plätzen in Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz herzlich zu danken für ihre Hilfe und Unterstützung!

Wir möchten allen von ganzem Herzen ein schönes und besinnliches Weihnachtsfest und ein Neues Jahr in Gesundheit, Wohlergehen und Zuversicht wünschen!

Wir richten uns dieses Jahr hier auf ein paar ruhige Weihnachtstage hier ein, unser kleiner Weihnachtsbaum steht schon startklar!

Alles Liebe, alles Gute und herzliche Grüße, bleibt Sie uns gewogen!!

Eure Helga und Jürgen

„HelftdemAtlas e.V.“
Sparkasse Dortmund
Konto 911001500 BLZ 44050199

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